Geschichte von Josef Berger

Soldatenschicksal aus der Renneperstraße geklärt
Franz-Josef Cohnen

Manches Schicksal von Soldaten der Weltkriege blieb bis heute ungeklärt, hier heißt es dann „vermisst“. So war es auch bis vor kurzen bei Josef Berger aus der Renneperstraße, geboren am 29. Oktober 1925. Er war als Kradmelder im Zweiten Weltkrieg im Osten eingesetzt.

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Josef Berger hatte 1943 seinen Einsatz beim Reichs-Arbeitsdienst in Marburg an der Lahn absolviert. Anfang Januar 1944 wurde er dann zur Ausbildung bei der Wehrmacht nach Krefeld eingezogen. Anhand der noch vorhandenen Post lassen sich als weitere Stationen neben Krefeld auch Köln-Riehl, Münster, Düsseldorf, Aachen und Venlo nachweisen (*1).

Am 6. Juli schreibt er in einem Brief aus Schlesien von der „Fahrt ins Ungewisse“, weil es offensichtlich an die Ostfront geht. Die folgenden Briefe sind dann aus Gründen der militärischen Geheimhaltung auch nur noch überschrieben mit „Osten, den…“. Ab dem 12. September heißt es dort „Ungarn, den…“. Der letzte Feldpostbrief ist datiert „Ungarn, den 2.11.44“. Darin drückt er seine Sorgen aus über die näher rückende Front im Westen und die mögliche Bedrohung der Heimat. Weiter berichtet er, dass er zwei Tage in der Slowakei im Einsatz war, jetzt aber wieder in Ungarn sei und auf Urlaub hofft.

Das war die letzte Nachricht, danach galt der damals gerade 19-jährige als vermisst. Anfang Dezember 1944 wurde durch einen Beamten der Gemeinde Amern der Familie Berger ein Schreiben (*2) vom 25. November 1944 aus dem „Felde“ überbracht, in dem die „traurige Mitteilung“ gemacht wurde, dass Josef Berger seit eines Nachtangriffes vom 3. auf den 4. November nordwestlich von Ungvar (*3) vermisst wird.

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Jahrelange Bemühungen der Familie, nähere Umstände seines Todes und das Grab in Erfahrung zu bringen, waren bisher ergebnislos verlaufen. Bis zum Fall des „Eisernen Vorhanges“ waren Nachforschungen in Osteuropa auch vielfach unmöglich. Das Einzige, was blieb, waren ein Foto, eine Mappe mit Feldpostbriefen und die Erinnerungen.

Umso überraschender kam nach 71 Jahren ein Schreiben von der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht (*4). Aus Berlin wurde am 21. August 2015 mitgeteilt, dass vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Kassel die sterblichen Überreste eines unbekannten deutschen Soldaten aus einem Feldgrab bei Pcoline, Ortsteil Vrech Pole, Kreis Humenne in der Slowakischen Republik auf den Sammelfriedhof Vazec zur letzten Ruhe umgebettet wurden. Anhand der gefundenen Erkennungsmarke konnte zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass es sich um den vermissten Soldaten Josef Berger handelte.

Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass er als Angehöriger der Einheit 6. Kompanie Jäger-Regiment 228 am 4. November 1944 bei Pcoline in der Ostslowakei den Tod gefunden hatte. Nähere Einzelheiten zum Grab und zum Soldatenfriedhof in Vazec teilte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in einem späteren Schreiben vom 21. September 2015 mit (*5).

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So hatten endlich die beiden noch lebenden Schwestern des Verstorbenen nach 71 Jahren Gewissheit über den Tod und die letzte Ruhestätte ihres Bruders erhalten. Eine der beiden, Katharina Berger, besuchte mit ihrer Nichte und deren Mann im vergangenen Jahr das Grab in der Slowakei. Mit dem Flugzeug ging es am 11. September 2015 ab Düsseldorf über München nach Krakau in Polen, dann mit einem Auto nach Süden durch die Hohe Tatra bis Pleso in der Slowakei. Am nächsten Tag erreichte man den Ort Vazec und den deutschen Ehrenfriedhof, der am 11. Oktober 1998 eingeweiht wurde. Es handelt sich hierbei um den größten deutschen Soldatenfriedhof in der Slowakei. Auch jetzt noch finden immer wieder Umbettungen nach dorthin statt.

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Anhand der mitgeteilten Grabnummer 1352 in Block 5, Reihe 32 war das gesuchte Grab schnell gefunden. Die endgültige Einfügung des Namens auf einem Granitstein musste noch erfolgen, wie der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mitteilte.

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Man legte eine mitgebrachte Tafel mit Namen und Lebensdaten des Gefallenen sowie einige Erinnerungen dort ab. Ein stilles Gedenken an den so lange vermissten Bruder und Onkel schloss den bewegenden Moment auf den Soldatenfriedhof, bevor die Angehörigen wieder die Heimreise antraten (*6).

Quellen und Anmerkungen:

  • Feldpostbrief im Besitz der Familie Berger
  • Nachricht im Besitz der Familie Berger
  • Ungvar, heute Uschhorod (oder Uzhhorod) in der Ukraine, gehörte 1919 bis 1938 zur Tschechoslowakei, danach wieder zu Ungarn und ab 1946 zur Ukrainischen Sowjetrepublik der UdSSR. Seit August 1991 Teil der neu gegründeten Ukraine. Die Stadt liegt direkt an der heutigen Grenze zur Slowakei
  • Schreiben v. 21.8.2015
  • Schreiben v. 21.9.2015
  • Frdl. Mitteilungen von Frau Katharina Berger Der vorstehende Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung entnommen dem Heimatboten Schwalmtal 2016, S. 59ff.
  1. Der hier erwähnte Josef Berger war ein Sohn von Robert Berger und Neffe von Josef Berger (sen.), die beide 1909 zu den ersten Mitgliedern und Initiatoren des damaligen St. Mauritius-Schützenvereins Renneperstraße gehörten. Josef Berger (sen.) war 1. Vorsitzender seit der Gründung 1909 bis zu seinem frühen Tod 1920, dann folgte sein Bruder Robert Berger bis 1923.
  2. Vgl. auch Berichte in den „Grenzland-Nachrichten“ v. 11.9., 25.9. und 2.10.2015