Gaststätten auf der Strasse

Frühere Gaststätten der Renneperstraße
Franz-Josef Cohnen

Vor 100 Jahren gab es in der Renneperstraße vier Gaststätten. Diese „Wirtschaften“ spielen alle eine Rolle in der Geschichte der St. Mauritius-Schützenbruderschaft. Schon in den Versammlungsprotokollen der ersten Monate seit Gründung sind sie erwähnt (*1). Auch später finden sie bei verschiedenen Veranstaltungen immer wieder Erwähnung. Alle betrieben das Schankgewerbe nicht als Haupterwerbszweig, sondern im Nebenbetrieb.

Die Gründung des Vereins am 13. September 1909 erfolgte in der Gaststätte Cornelius Sartingen. Diese lag an der Kreuzung der Renneperstraße mit dem Amerner Weg. Hier wurden zumindest zeitweise auch eine Schreinerei und ein Lebensmittelladen betrieben. Zuletzt diente das Gebäude nur noch als Wohnhaus, im Mai 1986 wurde es abgerissen.
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ehem. Gaststätte Sartingen, abgerissen im Mai 1986

Schon die zweite Versammlung des jungen Vereins fand am 3. Oktober 1909 in der Wirtschaft Mathias Beiten statt. Hauptzweck war die Abfassung der Statuten, die von der Versammlung genehmigt wurden. Im Haus Beiten befanden sich auch die „Posthalterei“ für die Renneperstraße und später ein öffentlicher Fernsprecher.  Zum 1. Januar 1961 wurden Poststelle und Gaststätte aufgegeben (*2). Das Haus baute man später um und nutzt es dann ausschließlich als Wohnhaus.

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Haus Beiten, Zustand 2016

Am 26. Dezember 1909 berichtet das Protokollbuch von einer gut besuchten Versammlung beim Gastwirten Heinrich Junker. Hier gab es neben der Gaststätte einen Lebensmittelladen. Der Schankbetrieb wurde noch bis 1987 aufrecht erhalten. Heute dient das Gebäude als Wohnhaus.

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Frühere Gaststätte Junker 2016

Das Versammlungsprotokoll vom 2. Februar 1910 vermerkt den Vertragsabschluss mit dem Gastwirten Josef Cohnen über den Bau eines Kugelfanges für den Schießsport. Danach wurde diese Lokalität durch drei Generationen bis ins 21. Jahrhundert als Vereinslokal und Schießstand genutzt. Haupterwerbszweig war hier stets die Landwirtschaft, seit 1510 ist der Cohnenhof bezeugt (*3). 1900 wurde das Wohnhaus mit dem Schankraum neu errichtet, in den 1920er-Jahren baute man den Saal.  Am 17. Januar 2000 verstarb der letzte Land- und Gastwirt Josef Cohnen (jun.).

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Gaststätte Cohnen mit Saal beim Sommerfest 2006

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In der Gaststätte Cohnen 1993 mit Vereinswirt Josef Cohnen (rechts) und Herbert Hölter

 

Quellen und Anmerkungen:  

  • Protokollbuch des St. Mauritiuis-Schützenvereins zu Renneperstraße, ab 1909
  • Hans Hölter: „Nur eine Straße von Süd nach Nord“ (undatiert) S. 70
  • Heimatbote Schwalmtal 2010, S. 64f. Zu den Fotos
  • Herzlich danke ich auch für frdl. Mitteilungen von Marlies Junker, Hans Beiten und Adolf Cohnen